Technik




Über das Portfolio

Alle Aufnahmen auf dieser Webseite sind von mir, Christian Klepp, in den Jahren 1993 bis 2011 photographiert worden.
Die Photographien auf den Galerieseiten werden von Textblöcken begleitet, die neben dem Namen des Bildes die geowissenschaftlichen Hintergründe erklären und photographische Metadaten zum Aufnahmeort, der verwendeten Kamera, den Objektiven sowie Belichtungszeit, Blende, Filmempfindlichkeit und Stativverwendung liefern. Bei aufwändigeren Photographien werden auch Hintergründe über die Aufnahmeverfahren dokumentiert, wie z.B. astronomische Himmelsnachführungen oder zusätzliche Vordergrundausleuchtungen während nächtlicher Langzeitbelichtungen.

Zur Phototechnik

Grundsätzlich sind alle Aufnahmen mit klassischer Phototechnik entstanden, die ab 2005 von mir ins digitale Zeitalter übernommen wurden. Es werden keine Farbfilter für die Aufnahmen verwendet. Polarisationsfilter werden teilweise zur Reduktion von Streulicht genutzt. Bei Nachtaufnahmen ist zum Teil eine Vordergrundausleuchtung mittels farbneutraler Lichtquelle durchgeführt worden. Dies ist in den Metadaten der betreffenden Photos vermerkt. Zum Schutz der Objektive werden UV-Sperrfilter verwendet.
Die Aufnahmen der Jahre 1993 bis 2004 sind auf Dia, zumeist Kodak Ektachrome 100 ASA, photographiert worden. Diese Dias wurden mit einem Trommelscanner digitalisiert. Die Farben der Digitaldaten wurden so naturgetreu wie möglich den Dias angepasst.
Im Jahre 2005 wurden alle Photographien sowohl analog als auch digital angefertigt. Dazu wurde zunächst analog eine Belichtungsreihe auf Dia gemacht und die Aufnahmedaten vermerkt. Anschließend wurde die analoge Kamera auf dem Stativ gegen die digitale Kamera ersetzt und die Belichtungsreihe mit den gleichen Einstellungen wiederholt. Die Digitalaufnahmen werden dabei im Canon RAW Format gespeichert. Zuhause wurden zunächst, wie üblich, die geeigneten Dias ermittelt und gesammelt. Danach wurden in der digitalen Dunkelkammer am farbkalibrierten Bildschirm die RAW Daten ausgesucht, die die gleichen Motive und Belichtungsdaten aufwiesen wie die Dias. Diese RAW Dateien wurden dann mit Photoshop so bearbeitet, dass sie in farblicher Übereinstimmung mit den Dias waren. Seit 2006 wurde ausschließlich digital mit zwei Canon 20D photographiert. Seit 2009 gehört auch die Canon 5D Mk II mit der EF-L 16-35 mm II Linse zur Ausrüstung.



AstroTrac TT320 Stern-Nachführung

Sternphotographien des Nachthimmels und der Milchstrasse führen bei langen Belichtungen jenseits der 30 Sekunden durch die Rotation der Erde zwangsläufig zu Strichspuren der Sterne. Sind Langzeitaufnahmen mit weiterhin punktförmigen Sternen gewünscht, wie es das menschliche Auge sieht, ist eine Stern-Nachführmontierung notwendig, die die Rotation der Erde während der Belichtung ausgleicht. Diese befindet sich als Bindeglied zwischen dem Stativ und der Kamera und rotiert entsprechend der Erddrehung, wenn sie zuvor exakt am Himmelsnordpol ausgerichtet wurde. Die meisten Nachführvorrichtungen sind groß und schwer, und eignen sich daher nicht für die Mitnahme auf Flugreisen und mobile Einsätze an entlegenen Orten rund um den Globus. Dafür werden kleine und leichte, mobile Reisemontierungen benötigt.

Vor der Umstellung auf die Digitalphotographie in 2005 benutzte ich ein leichtes Pentax Me Gehäuse und Festbrennweiten mit einer mobilen Purus Reisemontierung für Aufnahmen von Kometen und Sternschnuppen. Das Purus System war jedoch nicht in der Lage, die schweren Canon Kameras und Metallobjektive der L-Linsenreihe von 16 bis 400 mm zu tragen. In Ermangelung einer portablen Reisemontierung nutzte ich zunächst die 3200 ASA Fähigkeiten der Canon 20D, was allerdings zu unerwünscht starkem Rauschen bei Langzeitbelichtungen trotz Dunkelbildabzug führte. Eine Voraussetzung für einen Nachfolger der Sternnachführung war die Notwendigkeit des Transports im Handgepäck von Flugzeugen weltweit sowie die volle Mobilität im Gelände zu gewährleisten. Dafür musste die Nachführung leicht aber extrem stabil sein und hohe Gewichte bei geringem Stromverbrauch auch unter frostigen Temperaturen präzise nachführen können; und dies auf der Nord- und Südhalbkugel. Diese Bedingungen in einem Gerät zu vereinen schien aussichtslos, bis Richard Taylor die wegweisende Konstruktion des AstroTrac TT320 vorstellte. Ein Gerät, das seinesgleichen sucht. Gebaut aus Flugzeugaluminium kombiniert der AstroTrac TT320 alle oben genannten Eigenschaften zum Einsatz in den entlegensten Regionen der Erde. Besonders erwähnenswert ist dabei, dass der Aufbau nur wenig Zeit in Anspruch nimmt und das Preis-Leistungsverhältnis einmalig ist.

Photographien am technischen Limit

Bereits nach wenigen Einsätzen in den Rocky Mountains im Sommer 2008 hat sich der AstroTrac TT320 mehr als nur bewährt. Eine selbstgebaute stabile Plastikbox schützt das Gerät beim Transport im Rucksack und im Flugzeug. Es ist unbedingt notwendig, die Bedienungsanleitung und Kaufquittung beim Flugzeugtransport vorzulegen. Die Flughafen Security ist an diesem Gerät regelmäßig sehr interessiert aber nach erfolgter Erklärung des Zwecks und anschließender Begutachtung stets kooperativ. Zur Gewichtsreduktion im Gelände verwende ich das Manfrotto 055B Stativ mit dem Schneckentriebkopf Manfrotto 410 für Tag- und Nachtaufnahmen gleichermaßen. Dadurch ist das Gerät innerhalb von Minuten von Tag auf Astrobetrieb umgerüstet. Die Polarsternjustierung gelingt problemlos, vor allem unter dem extrem dunklen Sternhimmel der nicht lichtverschmutzten Gegenden. Dann kann ein zweiter und dritter Stern zur Feinjustierung verwendet werden. Meine photographische Motivation ist die Kombination spektakulärer nächtlicher Landschaften mit dem Sternhimmel und der Milchstrasse, wobei die lokale Grizzlybärenpopulation zu vermeiden ist. Während Neumond verbleiben die Gipfelgrate im tiefen Schatten, wobei die Milchstrasse ihre volle Schönheit während einer 6-minütigen Aufnahme bei 1600 ASA zeigt. Der Vordergrund im Nahbereich kann bei Bedarf mit einer neutral-weißen LED zeitweise während der Belichtung aufgehellt werden. Erstes oder letztes Mondlicht reduziert die Belichtungszeiten auf 4 Minuten bei 800 ASA und beleuchtet eindrucksvoll die Berge sowie den Vordergrund. Eine statische nicht nachgeführte Nachtaufnahme wird mit einer dynamischen, nachgeführten Aufnahme kombiniert um die punktförmig nachgeführten Sterne mit der unrotierten Landschaft zu vereinen, so wie es das Auge sieht. Der Vorteil liegt dabei auf der Hand. Das menschliche Auge sieht nur das momentane Licht, wobei die Kamera das Licht über die Belichtungszeit sammelt und somit die Zahl der sichtbaren Sterne deutlich erhöht. Dabei werden alle Sterne weiß. Nicht nachgeführte Aufnahmen des Sternhimmels offenbaren dagegen die spektrale Farbe der Sterne in ihren Strichspuren. Junge, heiße Sterne erscheinen blau, sonnenähnliche Sterne gelb und alternde rote Riesen entsprechend rot. Spiegelungen von Sternen in Seen verbleiben unter allen Aufnahmebedingungen als Strichspuren. Die Spiegelung der Nachführung führt nur zu einem Winkel der Strichspuren, nicht aber zu punktförmigen Sternen. Ein eindrücklicher Hinweis auf die Rotation der Erde durch den Weltraum.

Mein Dank geht an Richard Taylor für die Entwicklung des AstroTrac TT320, und die photographischen Möglichkeiten, die er damit an jedem Ort der Erde ermöglicht hat.



Zum Licht der LichtJahre

Oft werde ich gefragt, ob die surrealen Farben und skurrilen Formen meiner Bilder am Computer manipuliert wurden. Die Antwort darauf ist einfach: Nein!
All dies resultiert aus unendlicher Geduld, das ewige Warten auf das richtige Licht und das häufige Wiederaufsuchen der Location. Wenn möglich, besuche ich einen potentiell lohnenden Ort erst einmal am Tage zur Erkundung der Gegebenheiten um den perfekten Winkel, Bildschnitt und die perfekte Uhrzeit auszukundschaften. Fast alle Aufnahmen entstehen spät abends oder extrem früh am Morgen. So klingelt im Urlaub regelmäßig nachts um drei im Zelt der Wecker. Das mag wenig an Urlaub erinnern und das kann ich nicht einmal wirklich guten Gewissens abstreiten. Aber belohnt wird man für diese Strapazen nur allzu oft mit unglaublichem Licht! Das Licht, bei dem dann alle sagen „das kann doch nicht echt sein“. Oft ist es während der Aufnahmen noch halb dunkel. Die Kamera sammelt das Licht während langer Belichtungen. Viele Aufnahmen haben Belichtungszeiten jenseits der 10 oder 30 Sekunden. In vielen Fällen zerstört das direkte Sonnenlicht des Tages sogar jede Möglichkeit auf ein perfektes Photo. Beispielweise inmitten tiefer Canyons herrscht in aller Regel ein unvergleichlich mystisches Licht. Sobald hier die Sonne hereinfällt ist photographisch alles verloren. Es gibt natürlich auch hier Ausnahmen von der Regel. Aber zumeist entstehen diese Aufnahmen wenn alle anderen noch schlafen. Dies ist ohnehin die beste Zeit zur Aktivität, denn man erlebt scheinbar ganz allein auf diesem Planeten als einziger dieses wunderbare Licht in ungestörter Ruhe. Oft muss ich schmunzeln, denn selbst berühmte Photopositionen liegen einsam und verwaist im prachtvollsten Licht, während alle noch schlafen. Nachdem die schönsten Aufnahmen bereits fertig sind und man die Ausrüstung wieder verpackt, reisen die ersten Frühaufsteher an und bestaunen die Szenerie. Wie oft habe ich ungläubiges Kopfschütteln über mich gesehen wenn ich gerade am Gehen war, wo es doch vermeintlich "grad erst los geht“.
Die Antwort liegt verborgen im Licht der Jahre.
Nachts im stockfinsteren unter der Milchstrasse im 50° heißen Wasser eines Geysirs zu stehen und zu warten bis die Dampfschwaden den Blick auf die Sterne freigeben ist sicherlich auch eine gewöhnungsbedürftige Art von Urlaub. Zumal man nie sicher ist, welches nicht ganz handzahme Tier einen dabei beobachtet und eventuell Hunger verspürt.
Zu den oft bereits zuhause am Schreibtisch mittels Internet geplanten Photopositionen kommt vor Ort immer eine gehörige Portion Zufall ins Spiel. Das ist die nicht planbare und spannende Komponente jeder Tour. Zur rechten Zeit zufällig am rechten Ort zu sein lieferte so manches Photo. Es ist schon passiert, dass ich auf dem Highway mitten in Kalifornien eine Vollbremsung gemacht habe, die Kamera herausriss und abdrückte. Das Bild ist bis heute Teil meiner Sammlung und heißt "Hymn Noir". Manchmal hilft es schnell zu sein. Sekunden später ist die Gelegenheit manchmal auf immer vertan. So entstehen oft Photographien von ganz besonderem Reiz. Das aufziehende Gewitter, der Rauch eines Waldbrandes, Nebel oder der Sonnenstrahl durch den endlosen Regen, machen binnen Sekunden aus einem scheinbar nichtssagendem Motiv den Reiz des ganz Besonderen.
Die Jagd nach einem ganz bestimmten Motiv wird oft zum Abenteuer. Wenn sich nach langer Wanderung vor Ort herausstellt, dass der Weg zum Ziel doch steiniger war als man es sich vorgestellt hat und man zu spät kommt oder der, allein durch die Führung des GPS, gefundene Ort am Ende doch vor einem scheinbar unüberwindbarem Wasserfall, oder Wasserloch, endet. Spätestens dann stellt sich die Frage, wie viel Risiko man bereit ist zu investieren, um doch noch ans oft nur wenige hundert Meter entfernte Ziel zu gelangen. Schließlich möchte man spätestens am Ende der Dämmerung auch noch den viele Kilometer entfernt irgendwo abgestellten Geländewagen wiederfinden. Ich gestehe, dass ich dem Reiz jahrelang geplanter und ersehnter Ziele oft verfalle. Dennoch muss immer die Risikominimierung im Vordergrund stehen. Das Erklettern eines meterhohen glitschigen Baumstammes der mitten im tosenden Wasserfall einer nur wenige Meter breiten Schlucht steht gehört da sicher zu den seltenen Extremen. Das Überwinden dieses Wasserfalls zum Erreichen des Ziels war aber nur halb gewonnenes Spiel. Durch den Wasserfall konnte ich die Kameraausrüstung und das Stativ unmöglich mitnehmen. Diese wurden kurzerhand per Seil an einer trockeneren Stelle des Canyons die vertikale Steilwand heraufgezogen. Das Aufsuchen solcher Extrem-Locations macht eine penible Vorausplanung unabdingbar. Schließlich kann man nur unter gewaltigem Aufwand noch einmal wieder kommen. Wann hier der perfekte Zeitpunkt für die Aufnahme ist oder wie das Bild zu komponieren ist, muss schon vorher feststehen. Hier hilft detailliertes Kartenmaterial und die Berechnung des Sonnenstandes und Sonnenlaufs. Vor allem der Besuch in sogenannten Slot Canyons setzt sonniges Wetter voraus. Das ablaufende Wasser eines entfernten Gewitters kann innerhalb von Sekunden zur tödlichen Falle werden. Diese Canyons sind lang, steil und vor allem eng. Oft passt man nur seitwärts durch die mäandrierenden Steilwände. Wenn hier eine Wasserwand heranrollt, die zur Bildung dieser Canyons maßgeblich beigetragen haben, dann ist jede Hoffnung auf Rettung verloren. In diesen Gegenden hilft es ungemein, Meteorologe zu sein. Neben den Wetterberichten wird jedes noch so kleine Wölkchen im Umkreis äußerst kritisch auf eventuelle Gewitteranzeichen geprüft.

Das Gespür für Natur und Motiv

Oft zitierte Aussagen wie „…ein Auge für die Natur“ oder „…ein Riecher für das Motiv“ beschreiben Alles und Nichts. Natürlich gibt es Grundregeln. Den Horizont nie auf Bildmitte setzen, es sei denn, es ist gewollt. Das Highlight des Bildes in den goldenen Schnitt setzen. Ermitteln ob das Motiv nun besser Hoch-, Quer- oder Panoramaformat haben sollte. Nur den Tagesrand für die Photographie nutzen. Die Mitte des Tages nutzt man lieber zum Aufsuchen lohnender Orte um herauszufinden, ob es Morgen- oder Abendpositionen sind. So weit so gut. Aber natürlich gibt es für jede dieser Regeln unendlich viele Ausnahmen. Schlimmer noch wird es beim Gespür für das Motiv. Viele Motive sind bereits lang bekannt aber immer wieder lohnende Ziele unter verschiedenen Lichtverhältnissen. Der Reiz ist aber sicherlich, neue Motive zu finden, die noch durch niemanden vorher bekannt wurden. Dies bedarf den „Blick für die Natur“ und viel Zeit. Das Umsetzen eines entdeckten Motivs in ein Photo, das die Sammlung schmückt, ist immer ein Mix aus Kunst und Wissen. Bildkomposition geht einher mit der Lichtstimmung. Am meisten lernt man von Photographen die das bereits perfekt beherrschen. Es ist immer wieder erstaunlich, was einem ein Photo ohne jede Textbeschreibung erzählen kann, wenn man es nur zu Lesen vermag. Gerade die Komposition und das Licht der Aufnahme sind es, in denen man lesen kann wie in einem Buch. Nur die nicht abgebildete Umgebung kennt man nicht, wenn man nie selbst dort war. Und gerade darin liegt der ganz besondere Reiz. Nach unendlicher Planung selber da zu sein. Die Umgebung zu sehen. Denn bekanntlich ist ja der Weg das Ziel. Ein Großteil meiner Photographien dieser Sammlung entstanden so auch auf dem Weg zum Ziel - und das Ziel wurde zur Nebensache.



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