Arctic Gate
Die nördlichsten Regionen Islands berühren den Polarkreis auf 66° Nord. Unweit nordwestlich driften die Eisberge und Eisschollen des arktischen Ostgrönland-stroms gen Süden. Auf die hochgelegenen Inlandeiskappen Islands fallen bis zu 15 m Schnee pro Jahr. Trotz dieser harschen Klimaparameter herrscht auf Island insgesamt ein überraschend mildes Klima. Der Hauptgrund liegt an der Lage Islands mitten im Nordatlantik. Dadurch liegt Island im Einflussbereich der Warmwasserheizung des Golfstroms. Zusätzlich ist Island von einer warmen Rezirkulation, der Irmingerströmung umgeben, die Island entgegen den Uhrzeigersinn umströmt und dadurch das arktische Wasser von der Küste fern hält. Im Gegensatz dazu verursachen die Eiskappen Islands ihr eigenes regionales Klima. Dichtegetriebene katabatische Fallwinde in Sturmstärke strömen die Gletscherhänge hinab in die Täler und zum Teil bis auf den Ozean hinaus. Dadurch können die Lufttemperaturen örtlich deutlich unter die Umgebungstemperatur fallen. Dies ist der Hauptgrund, dass die Brackwasser-Gletscherlagune Jökulsárlón des Vatnajökull im Winter komplett zufrieren kann. Dies ermöglicht den Zugang zu den eingefrorenen Eisbergen. Das bis zu 1000 Jahre alte Eis dieses Eistores ist der Überrest eines ehemaligen Eistunnels, dessen Schmelz-wasserstrom den Gletscher entwässerte. In der klirrenden Kälte scheint der zunehmende Mond durch das Eistor. Bereits im nächsten Frühling wird diese Eisformation von der Brandung des Nordatlantiks für immer zerstört.
Januar 2011
Canon 5D MkII, Canon L 16-35 mm, f/16, 25 Sek, 50 ASA, Lee GND, Stativ